Hommage an den Bergmann: Zeitsignale einer Epoche

Was passiert, wenn Holz, das ein Jahrhundert lang tief unter der Erde die Lasten des Bergbaus getragen hat, plötzlich ans Tageslicht geholt wird? Für viele war es nur nutzloser Abfall der Industriegeschichte – für den Künstler Günter Dworak jedoch war es ein unschätzbares, lebendiges Zeugnis menschlicher Arbeit und Aufopferung.


In der rauen, authentischen Atmosphäre seines Ateliers – gelegen in den verbliebenen Gebäuden der ehemaligen Schachtanlage „Unser Fritz“ 2/3 in Wanne-Eickel – gab Dworak diesen Relikten ihre Stimme zurück. Umgeben von den alten Gängen und Treppen, die einst die Kumpel zur Anfahrt nutzten, schuf er Kunst aus dem Epizentrum des Reviers. Er rettete die vom Staub überzogenen Grubenhölzer vor der Vernichtung und verwandelte sie in stelenartige Mahnmale. Kombiniert mit eindringlichen Bronzemasken, die sich vom Porträt bis zur Totenmaske entwickeln, und kühlen, bleiernen Stillleben alltäglicher Gegenstände – wie der Kaffeepulle oder dem Arschleder – fing er die Seele des Bergbaus ein.


Wie der Kulturexperte Manfred Bourrée in seiner kunsthistorischen Betrachtung von 1985 so treffend beschrieb, ist dieses Werk eine tiefgründige „Erinnerung an die Gegenwart“. Es ist kein Denkmal für die großen Namen der Wirtschaftsgeschichte, sondern ein stilles, melancholisches Ehrenmal für die Menschen unter Tage – und ein kraftvolles, bleibendes Signal gegen das Vergessen mitten im Strukturwandel